Einführung

Kuppel Christuskirche Mannheim

Der imposante Jugendstilbau ist die letzte und größte von vier evangelischen Kirchen, die um die Jahrhundertwende in den schnell wachsenden Außengemeinden errichtet wurden. Auf dem Werderplatz im Zentrum der Oststadt stehend, bildet die Kirche den Endpunkt dreier Sichtachsen, durch die das Bauwerk in seiner architektonischen und städtebaulichen Wirkung gesteigert ist.

Die Planung reicht in das Jahr 1889 zurück, nahm aber erst 1898 konkrete Formen an, als der Bauplatz gefunden war. Das Zusammenwirken mit dem städtischen Hochbauamt erarbeitete Bauprogramm galt einer Kirche mit 1200 Sitzplätzen. Kernpunkt war die Orientierung am sog. Wiesbadener Kirchenbauprogramm, demzufolge das Gotteshaus als zentrale Predigtkirche ausgeführt werden sollte. Der hohe Anspruch an das Bauvorhaben führte zu einem Wettbewerb, zu dem im Januar 1904 alle evangelischen Architekten in Mannheim und sechs auswärtige Spezialisten eingeladen wurden. Bis 1904 gingen 14 Entwürfe für Zentralbauten unterschiedlicher Stile ein. Dabei war auch der Historismus mit neuromanischen, neugotischen und neubarocken Entwürfen vertreten.
 
Das Preisgericht entschied sich jedoch für eine modernere Version: den barockisierenden Jugendstilentwurf der Stuttgarter Architekten Baurat Theophil Frey und Regierungsbaumeister Christian Schrade. Letzterer war nach dem frühen Tod seines Kollegen für die weitere Projektbearbeitung verantwortlich. - Die markante Kuppelkirche ist ein weiteres Beispiel eines Bauwerks, das den Jugendstil mit neubarocken Formen verbindet und so dem alten und dem neuen Mannheim seine Referenz erweist. Der Typus selbst ist aus klassizistischen Kuppelkirchen abgeleitet; mögliche Vorbilder könnten der deutsche und französische Dom in Berlin sein. Anregung verdankte die Planung wohl auch der 1903 geweihten Mainzer Christuskirche. Das Gotteshaus entwickelt sich aus einem Quadrat mit einem eingeschriebenen griechischen Kreuz abgeleitet. Der Haupteingang ist mit Rücksicht auf die Orientierung zum Friedrichsplatz an dem südwestlichen Kreuzarm gelegt. Dem gegenüberliegenden Arm fügen sich im Anschluss an den Altarraum die Sakristei und die Taufkapelle, sowie zwei Pfarrhäuser und zwei Konfirmandensäle an.

Die Pfarrhäuser sind so gestellt, dass sie die charakteristische Höhenentwicklung des Gesamtkomplexes unterstreichen. Die in gelbem Sandstein ausgeführten Wände zeigen reiche Pilaster- und Säulengliederungen sowie zahlreiche Schmuck- und Bildreliefs. Den Hauptgiebel ziert in freier Auffassung des Jugendstils das Relief des tröstenden Christus. Den Tambour umgeben überlebensgroße Statuen der 12 Apostel; die Laterne krönt Erzengel Michael.
 
Anders als am Außenbau geht der Jugendstil im reich ausgestatteten, aufwendig ausgemalten Inneren eine architektonische und künstlerische Symbiose mit dem neubyzantinischen Stil ein. Nicht prunkvolle Wirkung, sondern würdevolle Umrahmung des Gottesdienstes sind hier das Leitmotiv der Gestaltung. Die Kreuzigungsgruppe über dem Kanzelaltar und andere Bildhauergruppe stammen von Johannes Hoffart, Berlin. Adolf Schinnerer, Tennenlohe, schuf die symbolischen Deckengemälde, die sich auf Christus und die Auferstehung beziehen. 1911 wurde von der Firma Steinmeyer die große Orgel im romantischen Stil erbaut. Sie verfügt über 4 Manuale mit insgesamt 92 Registern und einem Fernwerk in der Kuppel. 1988 wurde von der dänischen Orgelbaufirma Marcussen eine zweite Orgel mit barockem Klangideal (2 Manuale und 31 Register) errichtet. Sie steht auf der Empore über dem Haupteingang, gegenüber der Steinmeyerorgel. Das große Geläut der Christuskirche von 1956 besteht aus fünf Bronzeglocken, geschaffen von der Gießerei Bachert in Karlsruhe mit den Tönen f', es', c' b° und as°. Die größte Glocke hat ein Gewicht von 5820 kg.

Literatur: Evang. Christuskirche, Architekturführer Mannheim, von Andreas Schenk, hrsg. von der Stadt Mannheim, Dietrich Reimer Verlag: Berlin 1999, S. 112-113. Vgl. Friedrich Burrer, Christuskirche Mannheim-Oststadt, Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg 2005, 18 S.

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